Dialogforum Bau Österreich

Dialogforum Bau Österreich

Bei der Abschlusskonferenz am 16. Mai 2017 wurden Schlussfolgerungen und Vorschläge diskutiert, wie sich die erarbeiteten Lösungsansätze in einer Allianz mit Gesetzgebung und Verwaltung umsetzen lassen. Die Plattform von Austrian Standards und Bundesinnung Bau präsentierte Lösungsansätze von 400 Experten für klar verständliche, vereinfachte Regeln in der Baubranche. Nach 15-monatigem Diskussionsprozess liegen nun 53 konkrete Verbesserungsvorschläge zu ÖNORMEN vor.

Haupterkenntnis: Für einfache und klare Bauregeln braucht es jetzt ein konstruktives Zusammenspiel auch mit Landes- und Bundespolitik. Zu viele Vorschriften in unterschiedlichen Regelwerken, die sich überschneiden, einander widersprechen, Bauprojekte hemmen und eklatant verteuern.

Erstmals Gesamtschau über Baunormen hinaus
Nach mehr als einem Jahr Diskussionsprozess liegen nun erstmals umfangreiche Analysen der Ist-Situation sowie konkrete Empfehlungen und Forderungen vor. "Bisher fehlte eine Gesamtschau der komplexen Problematik, die durch das Aufeinandertreffen von Gesetzen, Richtlinien, Verordnungen und ÖNORMEN und anderen freiwilligen Normen entsteht", beschrieb Univ.Prof. DDr. Walter Barfuß, Präsident von Austrian Standards, bei der Abschlusskonferenz die Beweggründe für diese Initiative.

"Im Dialogforum Bau Österreich gab es erstmals eine öffentliche und ausführliche Diskussion über die Komplexität der Regelungslandschaft im Bauwesen. Durch die Einbindung von zahlreichen Praktikern aus unterschiedlichsten Fachrichtungen ist es gelungen, einen umfassenden Überblick über die Problematik zu schaffen und Lösungsansätze zu erarbeiten", betonte Bundesinnungsmeister KommR BM Ing. Hans-Werner Frömmel den Erfolg des Projekts.

53 konkrete Änderungsempfehlungen für rein österreichische Bau-Standards (ÖNORMEN) wurden bereits an die zuständigen Komitees bei Austrian Standards weitergeleitet und sind schon in Bearbeitung.

Dialogforum Bau Österreich; Credits: Austrian StandardsErich Kern beim Dialogforum Bau Österreich; Credits: Austrian StandardsGünter Lang beim Dialogforum Bau Österreich; Credits: Austrian Standards

Zudem wird derzeit die Geschäftsordnung von Austrian Standards in einem offenen Prozess überarbeitet, wobei Anregungen aus dem Dialogforum Bau umgesetzt werden. Dr. Karl Grün, Director Development bei Austrian Standards: "So werden künftig z. B. Stellungnahmen, die zu ÖNORM-Entwürfen eingebracht werden, öffentlich einsehbar sein." Der Entwurf kann noch bis 16. Juli 2017 online kommentiert werden.

Wiens Wohnbaustadtrat Dr. Michael Ludwig sagte: "Vieles ist durch das Normenwesen verbessert worden: im Bereich der Sicherheit, der Barrierefreiheit und des Klimaschutzes. Dennoch muss man sich fragen, ob das, was wirtschaftlich möglich ist, auch alles leistbar ist. Das Dialogforum hat dazu beigetragen, dass wir jetzt auf Basis eines sehr guten Verhältnisses aller, die sich am Zustandekommen von Normen beteiligen wollen, aufbauen und Verbesserungen erzielen können."

NR-Abg. Mag. Michaela Steinacker, Obfrau des Justizausschusses des Nationalrats, zeigte sich über die Zwischenergebnisse des Dialogforums Bau begeistert: "Ich finde es großartig, weil jetzt nicht nur ein Stein ins Rollen gebracht wurde, sondern weil heikle Themen angegangen wurden, die relevant sind, wenn es vor Gericht um Haftungsprobleme geht."

Günter Lang, Leiter der Passivhaus Austria, verwies in der Diskussion auf die Kosteneffizienz von Qualität: „Eine Vielzahl von Studien belegt, dass energetische Qualitätsverbesserungen nicht zur Kostensteigerungen im Bau beitragen, sondern im Gegenteil die Lebenszykluskosten drastisch senken“. Und Lang weiter: „Bei der Klärung von Haftungsfragen muss immer auch mit berücksichtigt werden, dass es nicht nur um das damit verbundene Wohl der heutigen Gesellschaft, sondern auch den Auswirkungen unseres Handelns auf die künftigen Gesellschaften geht. Gerade diese brauchen den Schutz, weil sie heute noch keine Stimme haben“, forderte Lang alle auf, bei den Baustandards immer die langfristigen Wirkungen im Besonderen in Bezug auf den Klimawandel zu beachten.

Abschlussbericht des "Dialogforum Bau"

Fotocredits: Austrian Standards

Freitag, 19 Mai, 2017